St. Marien in Grasdorf

grasdorf_a_1_th.jpgAdresse: Hildesheimer Straße 10, 31188 Holle
Gottesdienste: Bitte entnehmen Sie die Gottesdienstzeiten unserem Pfarrbrief.
Patronatstag: 8. Dezember

Der urkundliche Hinweis aus dem 12. Jahrhundert auf das Gotteshaus in Grasdorf bleibt umstritten. In einer Urkunde von 1178 wird die Kapelle in "Grastorp" im Archidiakonat Lamspringe erwähnt;

damit wird jedoch zweifellos das Gotteshaus in der heutige Gemeinde Graste im ehemaligen Landkreis Alfeld angesprochen, das während des Mittelalters dem Archidiakonat Lamspringe angehörte.

Die erste Nachricht über eine Kirche in Grasdorf stammt dagegen aus dem Jahre 1209, als der Pfarrer "Hildebrandus sacerdos de Gravestorp" als Zeuge aufgeführt wird. Während das Patronatsrecht über das Gotteshaus nicht dem Holler Archidiakon, sondern der Gemeinde zustand, gibt es nur unsichere kunsthistorische Hinweise, die auf das Patrozinium Johannes des Täufers hinweisen.

Eine zweite, diesmal urkundlich nachweisbare Kapelle mit dem Patrozinium "Beatae Mariae" wurde 1330 durch Bischof Otto II. (1319-1331) aus dem Haus Wohldenberg gestiftet und mit Grundbesitz in Grasdorf ausgestattet. Das Patronatsrecht hatte Bischof Otto dem ältesten Domkapitular aus dem Haus Wohldenberg oder dem Dompropst übertragen. Die Ausübung der Patronatsrechte durch die Wohldenberger und die wöchentlichen Messen für die Mitglieder dieses Hauses in St. Mariä weisen auf die Gründung einer Eigenkirche der Grafen hin. Bischof Otto hatte in Grasdorf eine Kapelle erbauen lassen, da Graf Heinrich von Wohldenberg Ende des 13. Jahrhunderts dort gewaltsam ums Leben gekommen war. Neben seinen familiären Beweggründen war vermutlich die Präsenz des Chorfrauenstiftes Derneburg, des größten Grundbesitzers in Grasdorf, maßgebend für die Stiftung der Eigenkirche.

grasdorf_i_3.jpg Durch den Quedlinburger Rezeß von 1523, der die Stiftsfehde (1519-1523) beendet hatte, wurde de jure das Bistum Hildesheim in das sogenannte Große und Kleine Stift aufgeteilt. Während das Kleine Stift unter der Oberaufsicht des Bischofs verblieb, gelangte das Große Stift vor allem an die Herzöge Heinrich d.J. von Braunschweig und Erich I. von Calenberg. Das Amt Wohldenberg mit Grasdorf fiel an Herzog Heinrich. Obwohl er Katholik war, versuchte er, unabhängig von der Hildesheimer Bistumsleitung in seinem Herzogtum ein katholisches "Landeskirchenregiment" aufzubauen. Zu diesem Zweck setzte er weltliche Beamte zur Verwaltung des Kirchengutes ein und führte in den Jahren 1539-1540 eine Kirchenvisitation durch. Es ist gesichert, dass eine von den Schmalkaldischen Bundesgenossen durchgeführte evangelische Kirchenvisitation 1542-1544 lutherisches Gedankengut auch nach Grasdorf brachte. Ob die Gemeinde ihr Patronatsrecht über die Pfarrkirche hinaus bereits 1542 für einen evangelischen Prädikanten in Anspruch nahm, erscheint zweifelhaft. Im Jahre der Rückkehr Herzog Heinrichs 1547 nahm dieser sogleich das Patronatsrecht der Marienkapelle wahr, indem er dort einen seiner geistlichen Gefolgsleute (Knecht) einsetzte. Blieben somit die Religionsverhältnisse vorübergehend ungeklärt, wurden im Jahre 1568 durch Julius II. von Braunschweig-Wolfenbüttel Pfarrkirche und Marienkapelle zusammengelegt und de jure die Reformation eingeführt. Nach der Restitution des Großen Stiftes und deren "Bestätigung" im Westfälischen Frieden mit der Normaljahrsbestimmung von 1624, gelangte die Gemeinde wieder unter die Oberaufsicht des Bischofs. Da jedoch Grasdorf im Normaljahr 1624 bereits lutherisch gewesen war, wurde dadurch ihr evangelischer Status gesichert, - wenn sie jetzt auch einen katholischen Landesherrn erhalten hatte. Die Rekatholisierung der Gemeinde, im Einflussbereich der Amtspfarrei Wohldenberg und des Klosters Derneburg, wurde in Grasdorf durch die Inanspruchnahme des Patronatsrechtes über die Marienkapelle durch Fürstbischof Maximilian Heinrich (1650-1688) und später durch Fürstbischof Jobst Edmund von Brabeck (1688-1702) bekräftigt. Die seelsorgliche Betreuung im Zirkel Derneburg hatte zunächst der Pastor aus Wöhle und ab 1700-1721 der Geistliche aus Ottbergen übernommen.

Neben der evangelischen Pfarrei in Grasdorf entwickelte sich erneut die katholische Gemeinde, die im Jahre 1701 zur Landseelsorgestelle erhoben wurde bzw. den Status einer Pfarrstelle erhielt.

Grasdorf blieb während der Industrialisierung ländlich geprägt. Zuckerrüben- und Getreideanbau, jedoch vor allem Forst- bzw. Holzwirtschaft sicherten den Lebensunterhalt. Zwar wurden durch die Verkoppelung der Feldmark und den Einsatz von Dreschmaschinen höhere Ernteerträge erzielt, das Bevölkerungswachstum in der stadtfernen Gemeinde blieb jedoch aus. Von 1848-1905 ist dort im Gegenteil ein kontinuierlich anhaltender Bevölkerungsschwund durch Fortzug in die Städte oder durch die Auswanderung nach Amerika feststellbar. Die Einrichtung des Eisenbahnhaltepunktes Grasdorf auf der 1886 erbauten Teilstrecke Derneburg-Braunschweig hatte den Bevölkerungsschwund nicht aufhalten können.

Im Jahre 1925 waren lediglich 21,5 % der Bevölkerung Grasdorfs Katholiken. Während des Kulturkampfes war ihre seelsorgliche Betreuung von 1873 bis 1884 nicht mehr möglich, da die Pfarrstelle in diesem Zeitraum gemäß staatlicher Bestimmungen nicht besetzt werden durfte. Im Jahre 1873 war der Pfarrverweser Johannes Krone sogar verhaftet worden, da er die Herausgabe der Kirchenbücher und Siegel von St. Mariä verweigert hatte. Erst nach neunjähriger Vakanz erhielt St. Mariä 1884 wieder einen Seelsorger.

Mit dem Strom von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen gelangten nach 1945 rund 300 Menschen in die Gemeinde. Bei den Zugewanderten handelte es sich hauptsächlich um evangelische Christen, da nach 1945 im Vergleich zu 1925 der Katholikenanteil bis 1961 18,2 % der Bevölkerung sank. Aufgrund der wenigen Arbeitsplätze im Landwirtschaftsbereich (5 Bauernhöfe) war der Autobahnanschluss Voraussetzung für einen intensiven Pendlerverkehr in die Salzgitter-Industrie. Da der Ausbau der Infrastruktur (Autobahnanschluss, Betriebsgründungen in der Gemeinde) mehrere Jahrzehnte andauerte, hatten bis 1961 vor allem katholische Familien die Gemeinde wieder verlassen. Der Pfarrbezirk von St. Mariä umschloss 1961 sieben Dörfer, in seiner räumlichen Ausdehnung auf 20 km. Die Gemeindestruktur von St. Mariä hat sich seit 1961 kaum verändert. Heute gehören neben Grasdorf die "Landgemeinden" Heersum, Luttrum, Binder und Wartjenstedt zur Gemeinde, die einen geringen prozentualen Katholikenanteil aufweisen. Seit 1977 wurde die Pfarrei vom Pfarrer aus Sottrum mit betreut, seit dem 01.08.2004 gehört die Kirche zur Pfarrei St. Hubertus Wohldenberg.

Am 8. Dezember 2001 wurden 10 neue Kirchenfenster eingeweiht, die vom Düsseldorfer Künstler Thomas Jessen geschaffen wurden.

Acht Fenster zeigen Ereignisse aus dem Leben der Gottesmutter:

Auf der linken Seite: Die Verkündigung durch den Engel Gabriel, die Geburt Jesu, die Darstellung Jesu im Tempel, die Hochzeit zu Kanaa.

Auf der rechten Seite: Karfreitag, Ostern, Pfingsten, Aufnahme Mariens in den Himmel.

Die beiden Fenster in Höhe der Orgelempore tragen im oberen Teil jeweils die Darstellung eines Heiligen. Auf der linken Seite ist der Hl. Johannes Nepomuk zu sehen, auf der rechten Seite der Hl. Laurentius.

grasdorf_a_1.jpgKatholische Pfarrkirche Unbefleckte Empfängnis Mariä

erbaut 1330, nach 1648 wieder hergestellt
Glockenturm: 1936
Westturm: fünfziger Jahre des 20. Jhdts.
Pfarrhaus von 1789
Anschrift: Hildesheimer Straße 8-10, 31188 Holle-Grasdorf
Pfarrer Stefan Lampe (wohnhaft im Pfarrhaus auf dem Wohldenberg)
Pfarrbüro der Kirchengemeinde Wohldenberg in Sottrum

Zur früheren St. Marien-Gemeinde gehörten die Ortsteile Grasdorf, Heersum, Luttrum, Binder und Wartjenstedt. Die Pfarrei St. Marien wurde am 31.07.2004 aufgelöst und ging in der am 01.08.2004 neu gegründeten Pfarrei St. Hubertus Wohldenberg auf.