Die Innenausstattung

Der Gesamteindruck der Kirche wird durch ihre reiche Ausstattung bestimmt. Sie präsentiert sich heute in Braun- und Bronzetönen. Der Besucher, der die Kirche vor ihrer letzten grundlegenden Renovierung, also vor dem Jahre 1986, gesehen hat, und sich an ihre Farbgebung in Weiß, Grau, Silber und Gold erinnert, ist zunächst überrascht.

Tatsächlich haben wir mit dieser etwas ungewohnten Farbgebung jedoch die ursprüngliche Innengestaltung der Hubertuskirche vor Augen. wohldenberg_i_2.jpg

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese zugunsten anderer Lösungen aufgegeben. Damals wurden auch die beiden Fenster der Ostwand zugemauert. Sie wurden im Rahmen der genannten Renovierung wieder freigelegt.

Sämtliche plastischen Austattungsstücke der Burgkirche entstammen der Werkstatt des Hildesheimer Bildschnitzers Johann Süßemann sen. Sie haben ihr Vorbild im Altar der Maria Immaculata im Hildesheimer Dom. Dieser Altar, der bis auf die Statuen der Jungfrau Maria und ihrer Eltern Anna und Joachim im II. Weltkrieg zerstört wurde, war ein Werk des kurpfälzischen Hofbildhauers Paul Egell. Er hatte ihn in den Jahren 1729 - 1731 für den Dom geschaffen. Die Wohldenberger Altäre weisen sowohl in der Architektur als auch in den figürlichen Darstellungen eine große Änlichkeit mit diesem Werk des Spätbarock auf. Das gilt besonders für die Farbgebung der holzgeschnitzten Skulpturen. Sie täuschen durch ihre Bronzierung vor, aus Bronze gegossen zu sein. Der Rotguß galt in dieser Zeit des Barock und angehenden Rokoko als besonders vornehm. In höfischen Kreisen wurde die Bronzierung daher der Vergoldung vorgezogen. Der Bronzeton der Statuen erinnerte an die großen Bronzegüsse des römischen Hochbarock sowie an die Antikensammlungen.

Die Gemälde der Altäre und der Kreuzwegstationen, sämtlich Werke des Barock, bleiben qualitativ deutlich hinter den Bildhauerarbeiten der Hubertuskirche zurück. Ihr Schöpfer ist uns nicht bekannt.

Die Kommunionbank ist eine durch zwei Chorzugänge unterbrochene Balustrade aus gelbem Sandstein, der durch seine dunkle Farbgebung dunklen Marmor vortäuscht. Vier anbetende Engel neigen sich vor dem Sakrament des Altares, das den Gläubigen hier gereicht wurde. Die Inschrift an den Basisplatten lautet übersetzt: "O heiliges Gastmahl, in dem Christus genossen wird."

Der moderne Zelebrationsaltar und der Ambo, beides Bronzegüsse des Jahres 1986, sind Werke des Künstlers Josef Baron aus Unna. Der Altar ist als Gitterkonstruktion auf die steinerne Balustrade der Kommunionbank aufgesetzt. Eine Lösung, durch die die Zerstörung der künstlerisch wertvollen Chorschranke vermieden wurde. Die der Gemeinde zugewandte Seite des Altares zeigt das Mahl in Emmaus, die gegenüberliegende die Kreuzigung. An der Ambo-Stele ist das Gleichnis vom Sämann dargestellt.

Die reichgeschnitzten Wangen der Bänke tragen den Kurhut des fürstbischöflichen Erbauers als Abschluß.

Hatte die Bauinschrift über dem Hauptportal der Kirche den Fürstbischof Clemens August als Bauherrn genannt, so erwähnt eine zweite den Initiator des Kirchbaues, den Freiherrn von Bocholtz. Im Innern der Kirche ist über dem Seitenportal zu lesen: "Auf besondere Anordnung des erlauchten Fürsten Clemens August, seines gnädigsten Herrn, kümmerte sich um dieses heilige Haus und errichtete es aus den Fundamenten Johannes Friederich Antonius Freiherr von Bocholtz, Statthalter dieses Ortes, im Jahre 1731. Betet für ihn."